Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement beim Neugeborenen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Reifgeborene verlieren normalerweise 5–10 % ihres Geburtsgewichts in der ersten Woche, während Frühgeborene aufgrund des höheren Körperwasseranteils und der größeren Hautverluste möglicherweise 10–15 % verlieren, und die Flüssigkeitstherapie sollte diese physiologische Kontraktion zulassen, anstatt sie zu bekämpfen.
  • Beginnen Sie die IV-Flüssigkeitszufuhr am Tag 1 bei Reifgeborenen mit 60–80 mL/kg/Tag, erhöhen Sie um 10–20 mL/kg/Tag auf ein Ziel von 120–160 mL/kg/Tag, individualisiert nach Gestationsalter.
  • Es sollte keine routinemäßige Natriumzufuhr erfolgen, bis die postnatale Diurese einsetzt (normalerweise Tag 2), da frühe Hyponatriämie in der Regel einen Überschuss an Wasser und nicht einen Natriummangel widerspiegelt; die Erhaltungsnatriumzufuhr bei Reifgeborenen beträgt ab Tag 2 2–3 mEq/kg/Tag, während Frühgeborene nach der ersten Woche möglicherweise 3–5 mEq/kg/Tag (AAP) oder bis zu 3–8 mEq/kg/Tag (ESPGHAN 2022) benötigen.
  • In der Neofluid-Multicenterstudie bei Reifgeborenen trat Hyponatriämie bei 7,9 % der Säuglinge mit hypotonischen Erhaltungsflüssigkeiten auf, verglichen mit nur 1,2 % mit isotonischen Flüssigkeiten, was isotonische Flüssigkeiten als sicherere Wahl bei Reifgeborenen unterstützt.
  • Kalium sollte ab Tag 2 mit 1–2 mEq/kg/Tag begonnen werden, nur nachdem die Diurese etabliert ist, zusammen mit Calciumgluconat 10 % bei etwa 2 mEq/kg/Tag und einer Glukoseinfusionsrate von 5–7 mg/kg/min (5–8 mg/kg/min bei Hypoglykämie, max. 12 mg/kg/min).

Literaturverzeichnis

  • Weaver LJ, Travers CP, Ambalavanan N, Askenazi D. Neonatal fluid overload—ignorance is no longer bliss. Pediatr Nephrol. 2023;38(1):47–60. doi:10.1007/s00467-022-05514-4
  • Selewski DT, Barhight MF, Bjornstad EC, et al. Fluid assessment, fluid balance, and fluid overload in sick children: a report from the Pediatric ADQI conference. Pediatr Nephrol. 2024. doi:10.1007/s00467-023-06156-w
  • Ozkan H, Duman N, Tuzun F, et al. Isotonic and hypotonic fluids in IV maintenance therapy in term newborns: the multicenter “Neofluid” study. Front Nutr. 2024;11:1410571
  • Kosmeri C, Baltogianni M, Dermitzaki N, Tsiogka CM, Giapros V. The changing landscape of sodium needs in the preterm neonate. Nutrients. 2026;18(2):186
  • Diller N, Osborn DA, Birch P. Higher versus lower sodium intake for preterm infants. Cochrane Database Syst Rev. 2023. CD012642.pub2
  • Embleton ND, Moltu SJ, Lapillonne A, et al. Enteral nutrition in preterm infants (2022): ESPGHAN position paper. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2023;76:248–268

Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement beim Neugeborenen

Cover page titled Fluid and electrolyte management in the newborn, showing a hand using a calculator with lab charts, introducing an evidence update on 2022-2026 literature and the NeoFast app, with a references list at the bottom.

NEONATOLOGIE · EVIDENCE UPDATE

Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement bei Neugeborenen

Was die aktuelle internationale Literatur (2022–2026) aussagt und wie man es am Bett mit NeoFast berechnet.

Literaturverzeichnis

  1. Weaver LJ, Travers CP, Ambalavanan N, Askenazi D. Neonatal fluid overload—ignorance is no longer bliss. Pediatr Nephrol. 2023;38(1):47–60. doi:10.1007/s00467-022-05514-4
  2. Selewski DT, Barhight MF, Bjornstad EC, et al. Fluid assessment, fluid balance, and fluid overload in sick children: a report from the Pediatric ADQI conference. Pediatr Nephrol. 2024. doi:10.1007/s00467-023-06156-w
  3. Ozkan H, Duman N, Tuzun F, et al. Isotonic and hypotonic fluids in IV maintenance therapy in term newborns: the multicenter “Neofluid” study. Front Nutr. 2024;11:1410571
  4. Kosmeri C, Baltogianni M, Dermitzaki N, Tsiogka CM, Giapros V. The changing landscape of sodium needs in the preterm neonate. Nutrients. 2026;18(2):186
  5. Diller N, Osborn DA, Birch P. Higher versus lower sodium intake for preterm infants. Cochrane Database Syst Rev. 2023. CD012642.pub2
  6. Embleton ND, Moltu SJ, Lapillonne A, et al. Enteral nutrition in preterm infants (2022): ESPGHAN position paper. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2023;76:248–268

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Der Ausgangspunkt: Gewichtsverlust in den ersten Tagen

Infographic explaining that weight loss in the first days of life is expected and desirable, showing 5-10% loss in term newborns and 10-15% in preterm infants, with a warning to avoid both hyponatremic fluid overload and hypernatremic dehydration.

Gewichtsverlust in den ersten Tagen ist zu erwarten und erwünscht

Nach der Geburt kontrahiert die Extrazellularflüssigkeit: eine physiologische Diurese und Natriurese, die die Niere reguliert. Die Flüssigkeitstherapie muss diese Kontraktion zulassen, nicht dagegen ankämpfen.1

  • 5–10%: üblicher Gewichtsverlust bei reifen Neugeborenen in der ersten Woche
  • 10–15%: kann bei unreifen Säuglingen auftreten – mehr Körperwasser, mehr Hautverluste

Vermeiden Sie beide Extreme: hyponatriämische Flüssigkeitsüberladung (zu viel Wasser) und hypernatriämische Dehydratation (zu wenig).1

Wie viel Flüssigkeit? Niedrig beginnen, täglich steigern

Table showing term newborn fluid volumes starting at 60-80 mL/kg/day on day 1, advancing by 10-20 mL/kg/day to a target of 120-160 mL/kg/day, with notes on preterm infant needs and daily adjustment.

Niedrig starten, täglich steigern, an das Baby anpassen

Reifgeborenes
Tag 160–80 mL/kg/Tag
Steigerung+10–20 mL/kg/Tag
Ziel120–160 mL/kg/Tag

Frühgeborene benötigen oft früh höhere Mengen wegen des hohen transepidermalen Wasserverlusts; befeuchtete Inkubatoren reduzieren diese Verluste. Die Volumen müssen individuell nach Gestationsalter angepasst werden.1

Täglich anpassen nach Körpergewicht, Urinausscheidung und Serum-Natrium.

Warum es wichtig ist: positive Flüssigkeitsbilanz ist nicht harmlos

Infographic stating that positive fluid balance in neonates is associated with higher mortality, longer mechanical ventilation, BPD, PDA and NEC, and providing the formula for percent cumulative fluid balance per the 2024 pediatric ADQI consensus.

Positive Flüssigkeitsbilanz ist nicht harmlos

Bei Neugeborenen ist Flüssigkeitsüberlastung mit höherer Mortalität, längerer mechanischer Beatmung, BPD, PDA und NEC assoziiert.1

Der pädiatrische ADQI-Konsens von 2024 empfiehlt, den Flüssigkeitsstatus als tägliche, kumulative und % kumulative Flüssigkeitsbilanz zu beschreiben und den Begriff “Flüssigkeitsüberlastung” für eine positive Bilanz, die mit Schaden verbunden ist, zu reservieren.2

% kumulative Flüssigkeitsbilanz = (Gesamtaufnahme – Gesamtausgabe) ÷ Referenzgewicht × 100

Natrium: Der Zeitpunkt ist genauso wichtig wie die Dosis

Infographic detailing sodium supplementation timing in newborns, with no routine sodium in the first days, 2-3 mEq/kg/day term maintenance from day 2, and 3-8 mEq/kg/day in preterm infants after the first week based on AAP and ESPGHAN guidance.

Timing ist genauso wichtig wie die Dosis

Erste Tage: kein routinemäßiges Natrium bis zur postnatalen Diurese (üblicherweise ab Tag 2). Eine frühe Hyponatriämie bedeutet normalerweise Wasserüberschuss, nicht Natriummangel.4

Reife Neugeborene – Erhaltung: 2–3 mEq/kg/Tag ab dem 2. Lebenstag.

Frühgeborene nach der ersten Woche: renale Natriumverluste sind hoch. Die AAP empfiehlt 3–5 mEq/kg/Tag; ESPGHAN 2022 akzeptiert bis zu 3–8 mEq/kg/Tag. Eine höhere späte Zufuhr reduzierte Hyponatriämie in einer Cochrane-Übersicht von 2023.4–6

Spot-Urinnatrium kann die Supplementation besser als Serum-Natrium allein leiten.4

Tonik-Verhältnis: isotone vs hypotonische Erhaltungslösungen

Infographic comparing hyponatremia rates between hypotonic (7.9%) and isotonic (1.2%) IV maintenance fluids in a 21-center multicenter study of term newborns called Neofluid 2024.

Isotonische versus hypotonische Erhaltungsfluide

Multizentrische prospektive Studie, 21 Zentren, reife Neugeborene unter IV-Erhaltungsfluiden (Neofluid, 2024).3

  • 7,9% Hyponatriämie mit hypotonischen Fluiden
  • 1,2% Hyponatriämie mit isotonischen Fluiden

Isotonische Fluide erwiesen sich bei reifen Neugeborenen als sicher und entsprechen der pädiatrischen Entwicklung hin zu isotonischer Erhaltungstherapie.3

Beobachtungsdaten bei reifen Neugeborenen – nicht auf die ersten Tage von Frühgeborenen übertragbar.

Am Patientenbett: Glukose, Kalium & Überwachung

Checklist infographic listing glucose infusion rate, potassium, calcium gluconate dosing, and monitoring parameters including daily weight, urine output, and serum electrolytes for newborns.

Glukose, Kalium & Monitoring

  • GIR 5–7 mg/kg/min (5–8 bei Hypoglykämie; max. 12)
  • Kalium 1–2 mEq/kg/Tag ab Tag 2, nur bei etablierter Diurese
  • Calciumglukonat 10 % — etwa 2 mEq/kg/Tag
  • Gewicht täglich (häufiger bei extrem unreifen Neugeborenen)
  • Urinausscheidung und Flüssigkeitsbilanz jede Schicht
  • Serum-Natrium, Kalium und Glukose häufig in den ersten Tagen.

Bereiche wie im NeoFast Venous hydration calculator angezeigt; Monitoring gemäß Ref. 1, 2, 4.

In der App: Beispiel für venöse Hydratationsverschreibung

Screenshot of the NeoFast app Venous hydration calculator with input fields for weight, GIR, total fluid rate, NaCl, calcium gluconate, and KCl, alongside a worked example for a 2 kg newborn on day 1.

Venöse Hydration: Verordnung eingeben

Angezeigte App-Felder und Empfehlungen:

  • Gewicht (kg): 2
  • GIR (mg/kg/min): 5 — Empfehlung: 5-7 mg/kg/min und bei Hypoglykämie 5-8 mg/kg/min (max. 12mg/kg/min).
  • Gesamtflüssigkeitsrate (mL/kg): 80 — Empfehlung: 1. Tag 60-80 mL/kg/Tag für FTNB und täglich um 10-20 mL/kg erhöhen bis 120-160 mL/kg. Für PTNB siehe zusätzliche Informationen.
  • NaCl 20% (mEq/kg): 0 — Empfehlung: ab dem 2. Lebenstag 2-3 mEq/kg/Tag.
  • GluCa10% (mEq/kg): 1 — Empfehlung: 2mEq/kg/Tag.
  • KCl-Optionen: KCl 10%, KCl 15%, KCl 19,1%, KCl 20%
  • KCl 10% (mEq/kg): 0 — Empfehlung: ab dem 2. Lebenstag, 1-2 mEq/kg/Tag bei etablierter Diurese.

Beispiel: 2 kg Neugeborenes, Tag 1

  • GIR 5 mg/kg/min
  • Flüssigkeit 80 mL/kg/Tag
  • NaCl 0 und KCl 0: Tag 1, vor Diurese
  • Calciumgluconat 1 mEq/kg

Einsatzbereit verschreibbare Volumen in Sekunden

Screenshot of the NeoFast app showing a venous hydration results table with glucose grams, concentration, total fluid rate, electrolyte volumes, and drip rate, alongside an annotated summary panel.

Einsatzbereit verschreibbare Volumina in Sekunden

Venöse Hydration — Ergebnisse (App-Screenshot)

Gramm Glukose14,4g
Glukosekonzentration9,23%
Gesamtflüssigkeitsrate160mL
NaCl 20%0mL
GluCa 10%4mL
KCl 10%0mL
D10W132mL
D5W24mL
Infusion in 24 Stunden6,7mL/h
Zugangsart nach GlukosekonzentrationPeripherer oder zentraler Zugang
Zugangsart nach KaliumkonzentrationPeripherer oder zentraler Zugang

Zusammenfassung

  • 14,4 g Glukose/Tag bei 9,23%
  • Insgesamt 160 mL → 6,7 mL/h
  • D10W 132 mL + D5W 24 mL + GluCa 10% 4 mL
  • Zugangsart überprüft für Glukose- und Kaliumkonzentration

Individualisieren, überwachen, neu berechnen

Screenshot of the NeoFast app's 'Other calculations and scores' menu listing Reference values, Biochemistry and electrolytes, Acid-base balance, Fluid balance, and recent calculators such as Apgar Score and Finnegan score.

Individualisieren, überwachen, neu berechnen

Weitere Berechnungen und Scores (App-Screenshot)

  • Referenzwerte — Laborbefunde, Vitalzeichen und Messungen nach Alter
  • Biochemie und Elektrolyte — Natrium, freies Wasser, Bikarbonat und Osmolalität
  • Säure-Basen-Haushalt — Kompensationen und Anionenlücke
  • Flüssigkeitsbilanz — Aufnahme, Ausscheidung und Harnausscheidung

Kürzlich hinzugefügt

  • Apgar-Score — 1 und 5 Minuten
  • Erwarteter pCO₂ bei metabolischer Alkalose
  • Finnegan-Score
  • Hyperbilirubinämie
  • Winters-Formel — Erwartete PCO2-Kompensation bei metabolischer Azidose

Alles in einer App — schauen Sie sich das an!

Individualisieren, überwachen, neu berechnen

Summary slide with key takeaways on individualizing and recalculating neonatal fluid therapy, plus app store download badges and a call to action for the NeoFast app.

Individualisieren, überwachen, neu berechnen

  • Physiologischen Gewichtsverlust zulassen
  • Na und K verzögern bis Diurese beginnt
  • Kumulativen Flüssigkeitsbilanzprozentsatz verfolgen
  • Isotone Erhaltungstherapie bei reifen Neugeborenen bevorzugen
  • Natriumzufuhr bei Frühgeborenen anhand von Verlusten und Wachstum steuern

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Bildungsinhalte. Ersetzt nicht das klinische Urteilsvermögen oder lokale Protokolle.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Gewichtsverlust ist bei Neugeborenen in der ersten Woche normal?

Reife Neugeborene verlieren typischerweise 5–10% ihres Geburtsgewichts in der ersten Woche; Frühgeborene können aufgrund des höheren Körperwassergehalts und größerer Hautverluste 10–15% verlieren. Dieser Gewichtsverlust ist physiologisch und die Flüssigkeitstherapie sollte ihn zulassen, nicht verhindern.

Welche empfohlene Flüssigkeitsmenge sollte bei reifen Neugeborenen verabreicht werden?

Beginnen Sie mit 60–80 mL/kg/Tag am Tag 1, Steigerung um 10–20 mL/kg/Tag, mit einem Ziel von 120–160 mL/kg/Tag, täglich angepasst basierend auf Gewicht, Urinausscheidung und Serum-Natrium.

Wann sollte eine Natriumsupplementierung bei Neugeborenen begonnen werden?

Es sollte routinemäßig kein Natrium gegeben werden, bis die postnatale Diurese begonnen hat, normalerweise ab Tag 2, da eine frühe Hyponatriämie meist durch Wasserüberschuss und nicht durch Natriumdefizit verursacht wird. Die termin-erhaltene Natriumzufuhr beträgt 2–3 mEq/kg/Tag ab Tag 2; Frühgeborene nach der ersten Woche benötigen möglicherweise 3–5 mEq/kg/Tag (AAP) oder bis zu 3–8 mEq/kg/Tag (ESPGHAN 2022).

Sind isotone oder hypotone Flüssigkeiten für die IV-Erhaltung bei reifen Neugeborenen sicherer?

Die multizentrische Neofluid-Studie von 2024 fand Hyponatriämie bei 7,9% der reifen Neugeborenen unter hypotonen Flüssigkeiten gegenüber 1,2% unter isotonen Flüssigkeiten, was darauf hindeutet, dass isotone Flüssigkeiten bei reifen Säuglingen sicherer sind; dies sind Beobachtungsdaten bei reifen Neugeborenen und sollten nicht auf Frühgeborene in den ersten Tagen extrapoliert werden.

Wann sollte Kalium bei Neugeborenen begonnen werden und in welcher Dosis?

Kalium sollte ab Tag 2 mit 1–2 mEq/kg/Tag begonnen werden, nur wenn die Diurese gut etabliert ist.

Dra. Marcela M Marques
Verfasst von
Neonatologin und pädiatrische Intensivmedizinerin · CRM 12807/DF
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