
Neonatales pRBC-Transfusionsprotokoll
Klinische Schwellenwerte, Produktspezifikationen und Verabreichungswege
Destillierte Erkenntnisse aus dem Toronto Resident’s Handbook of Neonatology
Ätiologien der neonatalen Anämie und Transfusionsschwellenwerte

Neonatale Anämie
- 1. Unterproduktion
- Fokus: Anämie der Frühgeborenen
- Mechanismus: Unreife Erythropoese und unangemessen reduzierte hepatische EPO-Produktion (weniger empfindlich gegenüber Hypoxie als renale EPO).
- 2. Blutungsverluste
- Fetal/Maternal: Vasa previa, Placenta previa, Nabelschnurunfälle, TTTS
- Intern/Neonatal: IVH, Lungenblutung
- Iatrogen: Häufige Blutentnahmen
Schlüsselmetrik: Das Gesamtblutvolumen eines reifen Neugeborenen beträgt nur ~85 ml/kg
- 3. Hämolyse
- Immun: ABO-, Rh- oder Kell-Inkompatibilität (DAT positiv)
- Nicht-immun: Membrandefekte (Sphärozytose), Enzymdefekte (G6PD-Mangel), Sepsis, DIC
Die Entscheidungsmatrix: Transfusionsschwellenwerte
| Woche 1 | Woche 2 | Woche 3 | |
|---|---|---|---|
| Atemunterstützung | 115 g/L | 35% | 100 g/L | 30% | 85 g/L | 25% |
| Ohne Atemunterstützung | 100 g/L | 30% | 85 g/L | 25% | 75 g/L | 23% |
Definition: Atemunterstützung
Ein inspiratorisches Sauerstoffbedarf von mehr als 25% ODER die Notwendigkeit einer mechanischen Erhöhung des Atemwegsdrucks.
Blutproduktspezifikationen und Verabreichungszeitlinie

Der Bestellsatz: Blutproduktspezifikationen
- 1. Bestrahlt — Absolut erforderlich, um transfusionsassoziierte Graft-versus-Host-Erkrankung (GVHD) zu verhindern.
- 2. CMV-sicher — Muss vor Lagerung leukoreduziert und/oder von CMV-negativem Spender sein, um schwere Virusübertragung zu verhindern.
- 3. Berechnetes Volumen
- Standarddosis: 10-20 ml/kg
- Ausnahme für Frühgeborene: Verwenden Sie höhere Volumen, wenn vertragen, um die Exposition des Säuglings gegenüber mehreren verschiedenen Spendern im Laufe der Zeit zu verringern.
Das Ausführungsprotokoll: Verabreichungszeitlinie
- T=0: Erwägen Sie, Fütterungen zu unterbrechen — Insbesondere wenn der Säugling ein erhöhtes Risiko für nekrotisierende Enterokolitis (NEC) hat.
- Transfusion langsam verabreichen — Transfusion über 3-4 Stunden laufen lassen.
- T=4 Stunden: Volumenmanagement — Notwendigkeit von Lasix (Furosemid) zur Volumenmanagement bewerten. Speziell indiziert für: chronische Lungenerkrankung, hämodynamisch signifikanter PDA, Nierenversagen oder allgemeine Volumenüberladung.
- T=8 Stunden: Fütterung wiederaufnehmen — Enterale Feeds sicher 4 Stunden nach der Transfusion wiederaufnehmen.
Systemische Risikobewertung und Austauschtransfusion

Das Sicherheitsprotokoll: Systemische Risikobewertung
- Gastrointestinal — Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) – verschärft durch Fütterung während der Transfusion.
- Kardiovaskulär — Akute Volumenüberladung.
- Immunologisch — Alloimmunisierung und Immunmodulation durch Spender-Leukozyten (GVHD).
- Respiratorisch — Transfusionsassoziierte akute Lungenverletzung (TRALI).
- Infektiös — Bakterielle Kontamination/Sepsis und übertragene Infektionen (CMV).
Die Ausnahme: Austauschtransfusion
| Standard-Top-Up-Transfusion | Doppelvolumen-Austausch |
|---|---|
| Ziel: Anämie korrigieren. Volumen: 10-20 ml/kg. | Ziel: Bilirubin schnell reduzieren und hämolytische Antikörper ausräumen. Indikationen: Schwere ABO-Inkompatibilität, Gesamt-Serumbilirubin (TSB) > Austauschschwelle oder Zeichen von Kernikterus (vermindertes Bewusstsein, Aufwölbung, Hypotonie). |
Formel: 80 ml x Körpergewicht des Säuglings (kg) x 2
Zu überwachende Komplikationen:
- Thrombozytopenie
- Verdünnungskoagulopathie
- Arrhythmie
- Elektrolytstörungen
Sicherheitsprüfliste vor der Transfusion

Sicherheitsprüfliste vor der Transfusion
- 1. Schwellenwert verifiziert? Ist der Hb unter den spezifischen postnatalen/Atemunterstützungs-Schwellenwert gefallen?
- 2. Produkt spezifiziert? Gibt die Blutbank bestrahlte und CMV-sichere pRBCs ab?
- 3. Dosis berechnet? Ist das Volumen streng 10-20 ml/kg (optimiert für Frühgeborene)?
- 4. Darm geschützt? Werden enterale Feeds unterbrochen (für 4 Stunden), wenn der Patient ein hohes NEC-Risiko hat?
- 5. Volumen verwaltet? Wurde Lasix für Säuglinge mit PDA, CLD oder Nierenfunktionsstörung erwogen?
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